DRK-Bundesarzt wirbt für mehr Mut zur Wiederbelebung

Die Fähigkeit zur Reanimation sollte in der Schule ebenso selbstverständlich vermittelt werden wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Foto: J. Müller (DRK)

Jeden Tag sterben in Deutschland rund 200 Menschen an einem plötzlichen Herztod. Dabei könnten nach Einschätzung von Fachleuten jedes Jahr min-destens 10.000 weitere Menschenleben gerettet werden, wenn mehr Men-schen im Notfall sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen würden.

Anlässlich der bundesweiten Woche der Wiederbelebung machte der DRK-Bundesarzt Prof. Dr. Bernd Böttiger bei einem Pressegespräch in Freiburg deutlich: „Bei einem Herzstillstand darf nicht gezögert oder auf Rettungskräfte gewartet werden.“ Bereits nach wenigen Minuten ohne Behandlung beginnt das Gehirn abzusterben. Deshalb sind die ersten Minuten entscheidend und es ist wichtig, dass zufällig anwesende Personen sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Der Rettungsdienst braucht in der Regel länger als drei oder vier Minuten, bis er beim Patienten eintrifft. 

Untersuchungen des Deutschen Roten Kreuzes zeigen, dass bislang nur etwa die Hälfte der Menschen in Deutschland im Ernstfall Wiederbelebungsmaßnahmen durchführt. Viele haben Angst, Fehler zu machen. Dabei ist Untätigkeit in dieser Situation der größte Fehler.

Die Formel, die Leben rettet, ist ebenso einfach wie wirksam: Prüfen, Rufen, Drücken. 

  • Prüfen:  Ist die Person noch ansprechbar?
  • Rufen:  Direkt den Notruf 112 wählen, damit die Rettungskräfte schnellstmöglich alarmiert werden können. Die Leitstelle unterstützt dann auch bei der Prüfung der Atmung.
  • Drücken:  Sofort die Herzdruckmassage beginnen. Je früher diese beginnt, desto größer ist die Chance das Leben dieses Menschen zu retten!

„Einfach in der Mitte des Brustkorbs drücken, entlasten, drücken, entlasten. Fünf bis sechs Zentimeter tief. 100 bis 120 Mal pro Minute“, erklärt Prof. Dr. Bernd Böttiger. Im Rhythmus von 100 bis 120 Mal pro Minute zu drücken, entspricht dem Takt von Songs wie Stayin' Alive von den Bee Gees oder Poker Face von Lady Gaga. Die Titel helfen, den richtigen Rhythmus für die Herzdruckmassage zu finden.

Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Überlebenschancen leisten zudem die Leitstellen. Immer häufiger werden Anrufende bei einem vermuteten Herz-Kreislauf-Stillstand telefonisch durch die notwendigen Schritte der Wiederbelebung geführt. Gleichzeitig sorgen Helfer-vor-Ort-Systeme und appbasierte Ersthelfersysteme dafür, dass qualifizierte Unterstützung oft schon wenige Minuten nach dem Notruf am Einsatzort eintrifft. Die hohen Einsatzzahlen zeigen, welchen Stellenwert diese Systeme inzwischen für die Rettungskette haben. 

„Reanimieren, das können schon Kinder. Sie brauchen nur das nötige Wissen“, sagte Prof. Dr. Bernd Böttiger. Das Deutsche Rote Kreuz setzt sich deshalb dafür ein, Kenntnisse in Erster Hilfe und Wiederbelebung bereits frühzeitig zu vermitteln. Aus Sicht von Prof. Dr. Bernd Böttiger sollten diese Kompetenzen ebenso selbstverständlich vermittelt werden wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Jedes Kind sollte während seiner Schulzeit verbindliche Kompetenzen besonders in der Laienreanimation, aber auch in Erster Hilfe, Gesundheitskompetenz sowie Resilienz im Sinne von Krisen- und Katastrophenvorsorge erwerben. Diese Kompetenzen sollen in den Bildungsplänen aller Bundesländer verankert werden und einen Mindestumfang von 24 Unterrichtsstunden pro Schuljahr mit sich bringen. 

Zugleich sei es wichtig, dass auch Erwachsene ihr Wissen regelmäßig auffrischen. Eine vom DRK beauftragte repräsentative Umfrage zeigt, dass fast die Hälfte der Bevölkerung noch nie oder seit mehr als 15 Jahren keinen Erste-Hilfe-Kurs mehr besucht hat. „Erste Hilfe ist keine Raketenwissenschaft und Wiederbelebung ist, wie bereits gesagt, kinderleicht. Die richtigen Handgriffe müssen jedoch regelmäßig in Erinnerung gerufen werden“, sagte Prof. Dr. Bernd Böttiger. Deshalb empfehle das Rote Kreuz eine Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse im Abstand von zwei Jahren.

Seit Februar 2025 bietet der DRK-Kreisverband Freiburg kostenlose Laienreanimationskurse für die Bevölkerung an. Seither haben 611 Personen dieses Angebot genutzt. Sie wissen, was zu tun ist, wenn es darauf ankommt: Prüfen, Rufen, Drücken. 

Daten und Fakten zur Stärkung der Laienreanimation im Verbandsgebiet des Badischen Roten Kreuzes (2025)

*ILS bzw. KV Freiburg Verbandsgebiet Badisches Rotes Kreuz 
Telefonreanimationen 4661.475
Alarmierung HvO plus Region der Lebensretter4214

12.928 (HvO)

4.123 (Region der Lebensretter)

HvO-Gruppen12122
   
EH-Lehrveranstaltungen5749.270
Teilnehmende an EH-Kursen8.354120.982
Teilnehmende an kostenlosen Reanimationskursen611 
   
Schulsanitätsdienst:-  
Schulen/Gruppen48290

Schulsanitäter*innen

plus Juniorhelfer 

7842.500

Teilnehmende an der Expertenrunde: 

  • Prof. Dr. Bernd Böttiger, DRK-Bundesarzt und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung
  • Vivienne Junk, Stellvertretende Landesgeschäftsführerin des DRK-Landesverbandes Badisches Rotes Kreuz
  • Jochen Hilpert, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Freiburg
  • German Hummel, Koordinator für den Rettungsdienst in der ILS Freiburg
  • Kerstin Rießland, Teamleiterin Breitenausbildung des DRK-Kreisverbandes Freiburg