Zugleich sieht das DRK große Herausforderungen auf das Land zukommen und fordert, bei Sicherheit und sozialem Zusammenhalt nicht zu sparen. Anspruch und tatsächliche Investitionen für eine resiliente Gesellschaft klafften derzeit auseinander – im Katastrophenschutz ebenso wie im Rettungsdienst und in der sozialen Versorgung.
Bevölkerungsschutz ausbauen
Das DRK begrüßt zwar, dass die Landesregierung den Bevölkerungsschutz stärken will – etwa mit einem neuen „Präsidium Bevölkerungsschutz“ und besseren Übungen. Das gehe in die richtige Richtung. Aus Sicht des Roten Kreuzes reicht das aber nicht aus.
Es fehle weiterhin eine verlässliche Finanzierung, betonte die Präsidentin des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg, Barbara Bosch, gemeinsam mit dem Präsidenten des DRK-Landesverbands Badisches Rotes Kreuz, Hanno Hurth, in der Jahrespressekonferenz der beiden DRK-Landesverbände. Das DRK hält Investitionen von 0,5% des jährlichen Haushalts für notwendig – auf Landes- wie auch Bundesebene. Sie mahnten an, dass dabei der Schwerpunkt nicht nur auf Bundesbehörden gelegt werden dürfe, wie dies beim sogenannten „Dobrindt-Plan“ der Fall sei. Zusätzlich baue das DRK seine eigenen Kapazitäten für den Bevölkerungsschutz weiter aus.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vorbereitung der Bevölkerung auf Krisen: Erste-Hilfe-Kenntnisse und Selbstschutz sollen stärker und dauerhaft vermittelt werden. Auch sei die Krisenvorsorge für Menschen mit Unterstützungsbedarf zu verbessern.
Rettungsdienst zukunftssicher finanzieren
Den Abbau von Förderlücken beim Bau von Rettungswachen begrüßt das Rote Kreuz sehr, dennoch drohe dem Rettungsdienst eine dauerhafte Unterfinanzierung. Neue gesetzliche Vorgaben – etwa schnellere Einsatzzeiten – erfordern mehr Standorte und Personal. Ohne ausreichende Mittel zeichne sich ein neuer Investitionsstau ab, der die Versorgung gefährden könnte.
Sorgen bereitet zudem das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz des Bundes. Es bestehe das Risiko, dass die Vergütung im Rettungsdienst nicht mehr mit steigenden Kosten Schritt hält – mit Folgen für die Versorgungssicherheit. Das sabotiere die von allen Partnern erwünschte moderne Ausrichtung des Rettungsdienstes in Baden-Württemberg.
Ehrenamt stärken – soziale Versorgung sichern
Das Ehrenamt bildet die Grundlage des Bevölkerungsschutzes. Zwar wurden wichtige Verbesserungen im neuen Bevölkerungsschutzgesetz gesetzlich verankert, in der Praxis gibt es jedoch weiterhin Unterschiede und Unklarheiten hinsichtlich der Helfergleichstellung. Das DRK fordert deshalb eine Klarstellung, die zu einer Harmonisierung und einheitlichen Handhabung bei den nachgeordneten Behörden führt, verbunden mit transparenten Informationen für Arbeitgeber und Ehrenamtliche.
Gleichzeitig setzt sich das Rote Kreuz für mehr Erste-Hilfe-Wissen in der Bevölkerung ein. Programme wie Schulsanitätsdienst oder „Löwen retten Leben“ leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Regelmäßige Auffrischungskurse sollten selbstverständlich werden.
Das DRK in Baden-Württemberg unterstützt als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege den Vorrang der ambulanten Versorgung vor einer stationären. Ambulante Angebote und Hilfen im Wohnumfeld müssten weiter gestärkt werden, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.
Auch hier gefährdet das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz die Versorgungssicherheit: Tarifbindung und soziale Infrastruktur sind in Gefahr, wenn steigende Kosten nicht mehr refinanziert werden.
DRK in Baden-Württemberg: Daten und Leistungszahlen
Die beiden DRK-Landesverbände in Baden-Württemberg gehören zu den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege, agieren als Hilfsgesellschaften und sind Teil der nationalen und internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung.
In Baden-Württemberg leistet das Rote Kreuz etwa 75 Prozent des Rettungsdienstes und gewährleistet mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern den weit überwiegenden Teil des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes.
| Allgemeine Daten |
|
| 49 |
| 832 |
| 558.587 |
| 61.581 |
| 18.851 |
| 76 28 |
| 33 5 |
| Rettungsdienst |
|
| 838.260 191.241 |
| 369 Regel (132 Ersatz) 247 |
| Bevölkerungsschutz |
|
| 38.793 |
| 114 |
| 1008 |
| 169.567 |
| 21.307 |
| Erste Hilfe |
|
| 304.350 |
| 36.828 |
| Jugendrotkreuz |
|
| 12.752 |
| 9.100 Schulsanitäter |
| 2.500 Juniorhelfer an 200 Grundschulen |
| 5.132 Trainerinnen und Trainer |
| Bergwacht | |
| 1.369 aktive Mitglieder |
1 Zahlen aus 2024
